der leistungsvergleich...

Was leistet ein Pedelecfahrer?

"Die leisten doch nichts". Das habe ich bei meinen Elektroradschulungen oft gehört. Bei meinen Pedelec-Testfahrten habe ich aber ziemlich viel Wäsche durchgeschwitzt und subjektiv das Empfinden gehabt doch was geleistet zu haben. Um belastbare Werte ermitteln zu können, habe ich meine Hausteststrecke den „Deisterkreisel“ dafür genutzt Leistungsdaten beim Elektrorad fahren aufzuzeichnen. Dafür bin ich die Tour (rd. 80 km) mit meinem unmotorisierten Patria "Argos"-Reiserad und mit meinem AVE-Mh7 Pedelec gefahren. Die Pedelecrunden jeweils einmal mit geringer (ECO/ 30% zusätzliche Motorkraft), mittlerer (Tour/ 95%) und hoher Unterstützung (Sport/ 110% und 160%) gefahren. Da ich noch ein 2012er Display habe, sind die Werte nur annähernd vergleichbar mit den 2013er ECO/Tour und Sport-Modi. Die höchste Stufe „Speed/Turbo (250%)“ wird nur gelegentlich bei extremen Steigungen gebraucht, deshalb habe ich damit keine ganze Runde gefahren. Gleichzeitig konnte ich bei diesen Fahrten die Reichweite des 400 Wh Akkus von Bosch testen. Die Ergebnisse waren überraschend.

Für die Leistungsmessung habe ich einen Polar Pulsmesser benutzt. Die Auswertung geht dabei von einem maximalen Pulsschlag aus - bei Frauen sind das 226 Schläge minus Lebensalter, bei Männern 220 minus Lebensalter. Mein max. Puls ist demnach 163 Schläge pro Minute. Zwischen 50% und 70% geht man davon aus, dass die Grundlagenausdauer trainiert wird und der Körper vornehmlich Fett verbrennt. Zwischen 71% und 90% wird eher die Kraftausdauer geschult und der Körper verbrennt Kohlehydrate. Über 90% wird selten trainiert. Je höher die Gesamtbelastung, desto länger sollten auch die Erholungsphasen sein. Um die eingesetzte Leistung vergleichen zu können, habe ich sowohl die durchschnittliche Leistung (ØHF), die verbrauchten Kalorien und auch die Zeit verglichen, die ich in den einzelnen Zonen gefahren bin. Details finden sie in der Tabelle.

 

die werte...

ECO (getestet bei 30%):
Die schwächste Unterstützungsstufe beim Bosch-Antrieb bringt zusätzliche 30% Antriebskraft. Gewählt wird sie hauptsächlich bei leichtem Gelände und um möglichst lange Unterstützung zu haben. Deshalb habe ich in dieser Stufe auch schon viele Fahrten gemacht – und dabei geschwitzt! Kein Wunder: ØHF und Fettverbrennung sind annähernd gleich, wie die Daten auf dem Reiserad ohne Motor. Nur der Kalorienverbrauch ist um rd. 8% geringer.  In Fachzeitschriften hatte ich schon oft gelesen, dass diese Stufe gerade mal das zusätzliche Gewicht ausgleicht und noch keine Fahrerleichterung bietet. Allerdings ist die erreichte Durchschnittsgeschwindigkeit mit 21.9 km/h rd. 10% schneller als mit dem Reiserad, was bei einer 100 Kilometer-Tour etwa 30Minuten Zeitersparnis ausmacht.
Fazit: ECO bringt hohe Reichweite, höhere Durchschnittsgeschwindigkeit und weniger Kalorienverbrauch.

Tour  (getestet bei 95%/110%):
Die zweite Unterstützungsstufe beim Bosch-System bringt 95% zusätzliche Kraft auf die Kette. Das merkt man auch. Es fällt sehr viel leichter das Rad bis zur Unterstützungsgrenze (beim AVE 26,5 km/h) zu beschleunigen. Auch die Berganfahrten werden leichter. So wundert es nicht, dass der körperliche Einsatz um einiges geringer ist. Das Eis zur Belohnung sollte etwas kleiner ausfallen, da 1/3 weniger Kalorien verbraucht werden als mit ECO-Unterstützung.
Allerdings: Mit 62% durchschnittlicher Herzfrequenz  habe ich mich gute 3,5 Stunden in einem Bereich bewegt, wo ich meine Grundlagenausdauer stärken konnte. Gerade Neueinsteiger und Übergewichtige Radler sollten anfänglich eher diesen Modus wählen.

Speed 2 (getestet bei 160%):
Die zweithöchste Unterstützungsstufe beim Bosch-System bringt 180% zusätzliche Kraft auf die Kette –meine 2012er Version habe ich bei Speed2 (160%) getestet.  Die hohe Leistung merkt man auch. Nur fliegen ist schöner – aber wir sind umweltfreundlicher! Der körperliche Einsatz sinkt auf unter 61% durchschnittliche Herzfrequenz. Damit halten sie sich gerade noch im sportiven Belastungsbereich auf. Für die Gesundheit nicht zu unterschätzen ist die Bewegung der Gelenke und Muskulatur sowie die viele frische Luft.

Ich würde diese Stufe, sowie auch „Turbo“ nur für steilere Anstiege nutzen und dann wieder auf „Tour“ zurückschalten.

Egal, welchen Unterstützungsmodus man wählt, man hat auf jeden Fall eine höhere Durchschnittgeschwindigkeit. Zwischen „ohne Motor“ und „Tour-Modus“ liegen rd. 20%. Was eine 5 stündige Fahrt ohne Motor um rd. 1 Stunde verkürzt.

Alle Detailwerte finden Sie auf dieser Tabelle.

 

mein fazit...

Jeder kann aber keiner muss!

Pedelecfahren kann mehr Leistung verbrauchen, als man gemeinhin denkt. Aber: Niemand muss diese Leistung erbringen. Wenn ich zum Beispiel unverschwitzt zur Arbeit kommen möchte, wähle ich einen hohen Unterstützungsgrad und beschleunige das Rad nicht auf Höchstgeschwindigkeit. Dann  fahre ich locker meinen Weg und genieße die frische Luft. Auf dem Heimweg kann ich den Motor niedrig einstellen oder ganz auslassen und so meine Fitness intensiv trainieren. Dann schmeckt das Abendessen umso besser.

Rekonvaleszenten und Einsteiger ins Radtraining haben die besten Möglichkeiten sich langsam an höhere  Leistungen heranzuführen.

 

für neueinsteiger beim training

Wer seine Fitness verbessern und planmäßig trainieren möchte, sollte vorher seinen Arzt befragen, ob aus medizinischer Sicht etwas zu beachten wäre. Auf jeden Fall brauchen Sie einen Pulsmesser zum effektiven Training.

 

unterschied bosch 2012 und 2013

Der Hauptunterschied ist das Bedienelement (HMI). Neu dabei:

- Fernbedienung neben den Griffen
- Nur noch 4 Unterstützungsmodi: ECO (30%), Tour (100%), Sport (180%) und Turbo (200%)
- Über eine USB-Schnittstelle können Handy, Navi etc. geladen werden.

Die Akkus werden in zwei Größen angeboten: 300Wh und 400 Wh